Ein Blick in die Geschichte

Weston Andrew Price (1870 – 1984) war ein amerikanischer Zahnarzt und hat in seiner Praxis zunehmend Menschen mit chronischen und degenerativen Erkrankungen, und bei den jungen Menschen immer mehr Karies und Zahn- und Kieferfehlstellungen beobachtet. Er bemerkte auch einen Zusammenhang zwischen Zahngesundheit und körperlicher Gesundheit. Ein Mund voller löchriger Zähne gehörte immer zu einem schwächlichen, für Infekte anfälligen oder gar kranken Körper. In seiner Zeit war Tuberkulose die häufigste Infektionskrankheit, und immer mehr Kinder, und zwar diejenigen mit den schlechtesten Zähnen, waren davon betroffen.

1894 hat er begonnen, sich mit Ernährung auseinander zu setzen und in den 1930er Jahren unternahm er zahlreiche Reisen, um die Zahngesundheit verschiedener Kulturen zu erforschen. In dieser Zeit war die Technik der Fotografie so weit entwickelt, dass man mit den Apparaten reisen konnte, und es gab noch viele Ethnien, die von der Zivilisation unberührt waren. Er besuchte australische, verschiedene amerikanische und afrikanische Ureinwohner und war in Polynesien, Neuseeland, auf abgelegenen schottischen Inseln und in der Schweiz im entlegenen Lötschental. Er hat in 9 Jahren 14 verschiedene Ethnien besucht und ihre körperliche Verfassung untersucht. In ca. 15.000 Fotos, 4.000 Dias und vielen Filmen hat er die Menschen porträtiert und ihre Ernährungsweisen genau dokumentiert.

1939 veröffentlichte er sein Buch „Nutrition and Physical Degeneration“, also „Ernährung und Physische Degeneration“. Darin erklärt er, dass die „westliche“ Ernährung, insbesondere Stärke, Zucker und die modernen Speiseöle zu Nährstoffmängeln und damit zu Zahn- und Gesundheitsproblemen überhaupt führen. Die westlichen kommerziellen Methoden der Zubereitung und Konservierung von Lebensmitteln würden den Nährstoffgehalt der Nahrung reduzieren und dadurch diese Krankheiten fördern.

Er achtete neben Karies auch auf die Zahnstellungen der Menschen. Dr. Price beschreibt in seinem Buch, dass Karies, Tuberkulose und all jene Krankheiten, die in den 1920ern und 1930ern häufiger geworden waren, in diesen Kulturen kaum vorkamen. Er fand gesunde und kräftige Menschen mit einem regelmäßigen Körperbau und ebenmäßigen Gesichtern mit gesunden und wohlgeformten Zahnreihen. Sie waren allesamt gut gelaunt und optimistisch. Niemand von den von ihm untersuchten Menschen praktizierte irgendeine Form von Dentalhygiene. Zahnbürsten waren gänzlich unbekannt!

Sobald diese Menschen allerdings in Kontakt mit westlicher Lebensweise und Ernährung gekommen waren, waren dieselben typisch westlichen gesundheitlichen Probleme zu beobachten: Fehlstellungen, Missbildungen, Karies und Erkrankungen aller Art.

Er dokumentierte die Gebräuche und Ernährungsgewohnheiten der verschiedenen Kulturen sehr genau.
Die Menschen im bis kurz vor seinen Besuchen äußerst schwer erreichbaren Lötschental ernährten sich ausschließlich von Nahrung aus ihrem Tal, nur das Salz wurde importiert. Sie aßen vorwiegend rohe und fermentierte Milchprodukte, speziell Butter und vollfetten Käse. Roggen wurde zu Brot verarbeitet, das in diesen Tagen sicher ein Sauerteigbrot war, also fermentiertes Getreide. Wegen der hohen Lage war die Vegetationsperiode kurz. Gemüse, das man im kurzen Sommer nicht aufessen konnte, wurde für den Winter durch Lacto-Fermentation konserviert. Neben Rindfleisch und Suppen waren Beeren weitere Säulen der Existenz. Für Kinder und schwangere Frauen gab es eine spezielle Butter, die orange war, die Blumenwiesen müssen fantastisch ausgesehen haben!

Auf den Äußeren Hebriden wurden gar keine Milchprodukte gegessen, dafür standen Kabeljau und saisonal Krustentiere auf dem Speiseplan. Hafer war das einzige Getreide, das gedieh. Ein wichtiges Gericht für Kinder und werdende Mütter war Kabeljaukopf gefüllt mit Hafer und Fischleber. Wegen des extrem rauen Klimas wuchsen nur wenige Gemüse oder Obst.

Die Inuit im hohen Norden ernährten sich fast ausschließlich von Tieren. Fisch, Walross, Robben und andere Meeressäuger, deren Tran und Speck waren Hauptnahrungsmittel. Üblicherweise fermentierten sie Fisch und Fleisch bevor sie es aßen. Sie gruben es ein und ließen es leicht anfaulen. Sie hatten beobachtet, dass ihre Hunde die Schlitten nicht so lange ziehen konnten, wenn sie nicht fermentierte Fische fraßen. Für Schwangere waren Lachsrogen vorgesehen. Während der kurzen Sommermonate sammelten sie Beeren, Nüsse und Gräser. Gejagten Karibus schnitten sie die Mägen auf und aßen dieses vorverdaute Gras. Medizinische Literatur aus den 50er Jahren belegt, dass Inuit nicht an Krebs erkrankten.

Die Maori in Neuseeland und Polynesier aßen neben allen Arten von Fisch und Meeresfrüchten fettes Schweinefleisch und verschiedenste pflanzliche Kost, Früchte und Kokosnüsse.

In Afrika erachtete Dr. Price die sudanesischen Dinkas als das gesündeste unter den drei besuchten Ethnien, deren Ernährung aus Fisch und fermentierten Getreiden, etwas rotem Fleisch, Gemüsen und Obst bestand. Die Bantu, ein Landwirtschaft betreibender Stamm, erschienen ihm am „schwächsten“ unter allen afrikanischen Völkern. Sie lebten hauptsächlich von Bohnen, Kürbis, Mais, Hirse, Gemüsen und Obst. Ihre Ernährung enthielt nur wenig Fleisch und Milchprodukte. Die Massai hingegen, ein Rinder züchtender Stamm, aßen praktisch gar keine pflanzliche Nahrung. Rohmilch, Rindfleisch und Organe von Rindern waren ihre Nahrungsmittel. In Dürrezeiten tranken sie Blut.

Die beobachteten Völker in Nordkanada, den Sümpfen Floridas, Amazonien und Australien waren Jäger und Sammler. Sie konsumierten verschiedenste Tiere, schätzten deren Organe als hochwertig ein und ergänzten die Ernährung mit saisonalen Körnern, Knollen, Gemüsen und Früchten.

Alle besuchten Völker, außer den Inuit, sammelten und verzehrten Insekten und ihre Larven. Und alle Völker konsumierten jeden Tag fermentierte Nahrung. Bemerkenswert ist auch, dass fast alle Völker bestrebt waren, an Meeresfrüchte, Fischrogen und Algen zu gelangen. Sogar diejenigen aus höheren Lagen unternahmen halbjährliche Exkursionen um an diese an Cholesterin und Vitamin D so reichen Lebensmittel zu gelangen.

Alle besuchten Völker hatten „sacred foods“, die werdenden Müttern und Kindern vorbehalten waren. Alle diese heiligen Speisen waren äußerst reich an tierischen Fetten: z.B. die orangefarbene Butter in der Schweiz, 10 cm lange von Fett triefende Maden in Australien oder Fischrogen.

Was allen unterschiedlichen Ernährungsweisen gemein war, ist der Fettreichtum, speziell der Reichtum an tierischen Fetten von Eiern, Fisch, Wild, von Haustieren und deren Milch oder von Insekten. Dr. Price beobachtete überall eine ausgeprägte Vorliebe für Nahrung, die fettlösliche Vitamine enthielt. Er betrachtete Butter von Weidetieren als eines der hochwertigsten Lebensmittel überhaupt.

Auch andere Forscher bestätigten, dass Naturvölker wussten, dass sie krank werden würden, wenn sie nicht genug Fett konsumieren würden. Der Anthropologe Vilhjalmur Stefansson (1879 – 1962) hat jahrelang unter Inuit und Nordkanadischen Ureinwohnern gelebt. Ältere Karibuböcke waren eine geschätzte Jagdbeute, wegen ihres über 20 kg schweren Nackenspeckes. Wenn längere Zeit keines dieser Tiere zu erlegen war, und man von Hasen, einem recht mageren Tier leben musste, grassierten bald Durchfallerkrankungen.

Überall traf Dr. Price auch betagte Menschen an. Genaue Altersangaben waren wegen der fehlenden Kalender oder Aufzeichnungen nicht möglich. Die Fotos belegen aber aufgrund der Erscheinung Lebensalter jenseits der 60. Bei den Australischen Ureinwohnern gab es einen „Verein“ der Ältesten. Auch Stefansson berichtete über Langlebigkeit unter den Inuit.

Auf seinen Expeditionen lernte Dr. Price eine Fülle von verschiedenen Hausmitteln gegen kleinere Gesundheitsprobleme wie Kopfschmerzen, Verkühlungen, Wunden und Verbrennungen. Nirgendwo begegneten ihm jedoch Menschen mit degenerativen Erkrankungen, wie sie in unserer modernen Gesellschaft so häufig geworden sind.

Natürlich waren alle Lebensmittel dieser Völker, die Dr. Price erforscht hatte, unverarbeitet, jedenfalls nicht industriell verarbeitet, und im heutigen Sinne „biologisch“. Die Proben, die er chemisch untersuchen ließ, enthielten 10 x höhere Werte für fettlösliche Vitamine und mindestens 4 x so viele Mineralstoffe und wasserlösliche Vitamine als die westliche Ernährung der damaligen Zeit.

Dr. Price hat kein einziges Volk gefunden, das gänzlich vegetarisch gelebt hätte. Moderne anthropologische Daten bestätigen das, tierische Lebensmittel und tierische Fette wurden überall auf der Welt hoch geschätzt.

http://gutenberg.net.au/ebooks02/0200251h.html